Frau geht spazieren

Der Kunde als König?

Bildlooks, die es bei mir garantiert nicht gibt

"Der Kunde ist König"

Das ist ein Spruch, den ich schon immer kritisch gesehen habe. Bereits mit Anfang 20 habe ich mich das erste Mal im Leben selbstständig gemacht - und zwar in einer Branche, in der ich jeden Tag direkten Kundenkontakt hatte. Ich kann euch sagen: Da lernt man so einiges über seine Mitmenschen, über den Umgang mit ihnen und wo die Grenzen des Kundenservices liegen.

Versteht mich nicht falsch, ich versuche IMMER nach allen Kräften meine Kunden zufrieden zu stellen. Nein, "zufrieden" trifft es nicht, "befriedigend" ist in der Schule eine 3! Eine 3 ist aber nicht die Note, die ich von meinen Kunden bekommen möchte. Nicht einmal die Note 2 (gut) genügt mir. Ich möchte meine Kunden GLÜCKLICH machen und zwar rundum. Deshalb habe ich auf dieser Seite schon mehrfach betont, dass es mir wichtig ist, gut miteinander auszukommen und auf einer Wellenlänge zu liegen. Ich möchte euch und euren großen Tag oder das Familienshooting eher aus dem Blickwinkel einer Freundin sehen und begleiten. Das Wort "Kunde" klingt für mich so distanziert. Sollte Kunde und Dienstleister nicht lieber Partner sein? In gewisser Weise sind beide doch voneinander abhängig. Der Dienstleister freut sich über einen Auftrag und möchte, dass der Kunde am Ende glücklich ist, damit er im besten Falle weiterempfohlen wird. Der Kunde wünscht sich von seinem Dienstleister optimale Beratung und Ausführung des Auftrages, damit er maximalen Nutzen von seinem investierten Geld hat. Ob das in einem König-Untertan-Verhältnis funktioniert? Ich glaube eher nicht.

Wir können also feststellen: Der Spruch ist antiquiert und stammt wahrscheinlich aus den 50er Jahren oder so :-) Das ist auch der Grund, warum ich nicht alle Kundenwünsche umsetzen werde. Nicht, weil ich nicht dazu in der Lage bin sondern weil ich es einfach nicht möchte. Dies betrifft insbesondere meinen Bildlook, welcher mich als Fotograf auszeichnet. Das entstandene Bild mit der entsprechenden Bearbeitung ist das Werk eines Fotografen und spiegelt seinen Geschmack, sein Können und seine Arbeitsweise wider. Im Idealfall erkennt man an einem Foto sofort, wer es gemacht hat. So wie man an einem Gemälde erkennt, wer es gemalt hat. Okay, bei Fotos ist es heutzutage vielleicht etwas schwieriger, weil es weitaus mehr Fotografen gibt als es Maler vor mehreren hundert Jahren gab. Aber ihr wisst bestimmt, was ich damit sagen möchte.

Was könnte es also sein, was der Fotograf für den Kunden nicht umsetzen möchte?

Mir geht es heute in diesem Beitrag im speziellen um Bildlooks und Posings, die mir immer wieder über den Weg laufen. Diese "gestalterischen" Mittel stammen meiner Meinung nach jedoch aus den 90er oder 2000er Jahren und begegnen wir trotz allem immer noch auf Homepages von einigen Hochzeitsfotografen.

Ich als Fotografin stehe mit meinem Namen hinter jedem einzelnen Foto. Deshalb werde ich niemals - auch nicht auf ausdrücklichen Kundenwunsch - folgende Posings fotografieren:

- Baum umarmen, das Paar schaut hinter einem Baum hervor,

- Hand in die Taille stemmen/an die Hüfte halten und Hüfte so richtig schön rausdrehen,

- Auto mit Brautkleid/Schleier putzen,

- Bilder, in denen die Braut mit dem Nudelholz droht, der Bräutigam unter der Braut liegt usw.,

- ER IHR unters Brautkleid fast (OH JE!), das Strumpfband mit den Zähnen auszieht, andere "Einblicke" in das Brautkleid,

- durch einen Bilderrahmen gucken.

Diese überaus gestellten Szenen passen meiner Meinung nach nicht in eine Hochzeitsreportage. Eine Hochzeit ist so ziemlich der wichtigste und emotionalste Tag, den das Paar bis zu diesem Datum erlebt hat. Eure Geschichte soll in Bildern doch so erzählt werden, wie sie an diesem Tag passiert ist. Szenen, in denen der Bräutigam - sei es nur fürs Bild - lächerlich gemacht oder in denen der Braut unter den Rock gegriffen wird, sind hier absolut fehl am Platz. Ich gebe es zu: Meine eigenen Hochzeitsbilder von 1999 waren auch nicht der Knaller. Am Ende gab es viele Bilder mit ernsten Gesichtern, verschränkten Armen und künstlichem Umhergestehe (am Baum). Aber damals hatte ich einfach noch null Ahnung von dem ganzen Fotokram und habe dem Fotografen blind vertraut. Meine Schwiegereltern hatten den Fotografen vorgeschlagen. Toll! #nicht Naja, ein paar natürlich Bilder gab es aber doch und die haben mir schon vor 20 Jahren bei weitem besser gefallen. Heute weiß ich, warum das so ist.

 

Was die Bildbearbeitung betrifft, gibt es in meinen Augen auch das ein oder andere No-Go. In den Zeiten, als die Bildbearbeitung digitaler Fotos auch für Laien bezahlbar und damit möglich wurde, haben sich Bildlooks etabliert, welche auch heute noch in den Vorstellungen einiger Brautpaare eingebrannt sind aber die kein Paar von mir bekommen wird. Dazu gehören:

- Color-Key-Looks (das heißt zum Beispiel, der Brautstrauß ist farbig, alles andere schwarz-weiß),

- eine weiße Vignette oder verschwommene Konturen am Rand des Bildes,

- nachträglich eingefügte Unschärfe für den Hintergrund,

- Sepia-Färbungen, schreiend bunte Farben oder bis zum letzten Millimeter nachgeschärfte Konturen,

- Texturen am Rand des Fotos (Blumengirlanden oder ähnliches) oder Verwurstung von mehreren Bildern zu einer Collage...

Ihr könnt mir sicher folgen. Bestimmt sind euch auch schon solche Fotos begegnet. Na gut, vielleicht war das sogar mal richtig in Mode und hat den Geschmack vieler Paare getroffen. Im Jahr 2019 entsprechen sie auf jedem Fall nicht mehr dem Zeitgeist und auch nicht meinem Geschmack. Natürlich optimiere ich meine Bilder auch, bevor sie auf den Weg zum Kunden gehen. Der Anspruch an das fertige Bild ist für mich jedoch immer ein warmer, heller und moderner Bildlook, der auch zur Location und zum Brautpaar passt. Eine unnatürliche, übertriebene Bildmanipulation kommt mir nicht in die Tüte und ist in meinen Augen auch gar nicht nötig.

Mit meiner persönlichen No-Go-Liste kommt auch ein wirklich gut gemeinter Rat: Schaut euch die Fotos des Fotografen wirklich an, den ihr für eine Buchung in Betracht zieht. Entscheidet nicht nur nach dem Preis oder nach einer Empfehlung von Bekannten. Was ihnen gefällt, kann unter Umständen euren Geschmack komplett verfehlen.

Okay, das war heute ein ziemlich langer Blogbeitrag. Dieses Thema ist mir aber sehr wichtig und es freut mich, wenn ihr bis zu Ende gelesen habt.

Herzlichst,

Denise

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