Frau geht spazieren

República de Cuba

Rendevouz con el pasado

 

Nachdem mein Mann und ich zwei Jahre gar nicht verreist waren - von einem oder zwei Städtetrips innerhalb Deutschlands mal abgesehen - sollte es in diesem Jahr mal wieder etwas weiter weg gehen. Ich kann euch auch gar nicht mehr sagen, wie wir letztendlich auf Kuba gekommen sind. Eigentlich wollten wir gar nicht mehr so weit fliegen. Aber alle Ziele in Europa, die für uns in Frage kamen, waren wetter technisch Anfang Mai einfach nicht das, was wir uns so vorgestellt haben. Und es sollte mal was anderes sein als die Kanarischen Inseln (obwohl wir die auch sehr lieben!).

Die Wahl fiel dann auf Kuba. Mein Mann ist sowieso ein großer Fan von Rum, Zigarren und alten Autos. Von daher schien Kuba das perfekte Urlaubsziel zu sein. Ich muss gestehen, dass ich bei so einer größeren Reise immer ein bisschen ein mulmiges Gefühl habe. Ich bin eben ein Mensch, der sehr gerne zu Hause und in der Heimat ist. Mich plagt nicht unentwegt das Fernweh. Hinzu kommt, dass Koffer packen nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört (und ich auch diesmal viel zu viel mitgenommen habe). Nichtsdestotrotz bin ich offen für neue Länder und Menschen, andere Kulturen und ungewöhnliche Orte.

Ende April startete dann also unser Flieger Richtung Amerika. Wir hatten eine Rundreise und auch ein paar entspannte Tage Badeurlaub geplant. An der Stelle sei gesagt, dass alles super organisiert war und gut geklappt hat. Nach zwei Tagen faul Rumliegen am Strand von Varadero (dieses touristische Zentrum befindet sich im Norden Kubas an der Atlantikseite) ging es schon los mit der Rundreise. Start: La Habana. Die Hauptstadt feiert in diesem Jahr ihren 500. Geburtstag und wird dementsprechend herausgeputzt - für kubanische Verhältnisse. Ach diese Stadt hat einfach einen wunderbaren Charme. Ich liebe ja die Patina der alten Häuser und Autos, die von längst vergangenen, glanzvollen Zeiten erzählen. Zwei Tage lang haben wir uns einfach treiben lassen von der Atmosphäre, den Menschen, dem Lebensgefühl und auch dem ein oder anderen Cuba Libre ;-) Auf der Liste standen Sehenswürdigkeiten wie das Hotel National de Cuba (in den 30er und 40er Jahren sehr beliebt bei der amerikanischen Mafia), der Malecón, das Havana Club Museum, andere Museen mit einer bemerkenswerten Sammlung von Kunstgegenständen (unter anderem Porzellan aus Meißen), eine Zigarrenverkostung, eine Fahrt in einem 1948er Chevrolet, der Plaza de la Revoloción, ein Mittagessen in Ernest Hemingways Lieblingsbar "La Bodeguita del Medio" und vieles mehr!

An Tag Nummer drei ging es mit dem Bus nach Santa Clara zum Grabmal von Che Guevara. Politisch betrachtet befindet sich Kuba noch immer in der Revolutionszeit. Che spielt neben José Martí für die Kubaner eine zentrale Rolle und das berühmte fotografische Abbild Che Guevaras ist weltweit als Medienikone berühmt.

Auf dem Weg nach Trinidad erhielten wir auch Einblicke in die dunklen Seiten der kubanischen Geschichte. Der Sklavenhandel und die -haltung für die schwere Arbeit auf den Tabakplantagen und in den Zuckermühlen hat deutliche Spuren hinterlassen und wirkt bis heute fort. Die befreiten Sklaven haben Städte gegründet, in denen sie sich und ihren Nachkommen ein neues Leben aufbauen konnten.

Eine ganz besondere Perle ist wahrscheinlich - und da wird mir keiner widersprechen - Trinidad. Die historische Innenstadt gehört zum Weltkulturerbe und man könnte sie wie folgt beschreiben: Koloniales Freilichtmuseum in Pastellfarben. Man sollte sich auf alle Fälle genügend Zeit nehmen, die Stadt und ihre Menschen anzuschauen, zu beobachten und kennenzulernen - vielleicht bei einem Chanchánchara, ein Getränk aus Honig, Limette und NATÜRLICH Rum. Belebt garantiert die pflastermüden Geister wieder zum Leben :) Ich hätte wirklich tagelang durch die Straßen und Gassen wandeln können und mir wären immer wieder neue tolle Motive vor die Kamera gelaufen. Dabei sind die Menschen immer so freundlich und freuen sich, wenn man von ihrer schönen Stadt schwärmt und den Aufenthalt genießt.

Auf dem Programm stand außerdem ein Tag an der karibischen Küste Kubas. Zu erwähnen sind hier vor allem das wahnsinnig klare, türkisblaue Wasser und die ein oder andere Begegnung mit Unmengen von Krabben :) Die Küste im Süden hat zwar keine Sandstrände zu bieten. Doch die rauhe, felsige Küste und das sich anschließende, dschungelartig bewachsene Escambray-Gebirge haben wieder einen ganz anderen Charme als die Sandstrände in Varadero. Wer kann schon behaupten, mitten im Dschungel unter einem Wasserfall gebadet oder Mangos vom Baum gegessen zu haben?!

Letzte Station der Rundreise war Cienfuegos, nochmals ein Kleinod für Menschen, die auf der Suche nach Kultur und kubanischem Lebensgefühl sind.

Auf den vielen Kilometern durch Kuba sind uns Dinge begegnet, die wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen können: Pferdewagen auf der Autobahn, Wendemanöver auf der Autobahn einfach über den Grünstreifen drüber, Benzinwolken aus den Autos in den unterschiedlichsten Farben (jede Familie hat sozusagen ihr eigenes "Kraftstoffrezept"), Viehherden auf den Straßen, ja sogar der Reis wird auf den Straßen zum Trocknen ausgebreitet, Schlaglöcher so groß wie Mondkrater (okay, auf dem Mond war ich noch nicht) und Fahrzeuge, die das Rentenalter eines Deutschen schon weiter überschritten haben und trotzdem noch fahren. Aber all das macht den Charme aus, wegen dem ich dann doch so gerne in fremde Länder reise.

Jetzt hab ich aber genug gequatscht. Fühlt euch eingeladen zu einer Bilderreise zu den für mich schönsten Orten Zentral-Kubas. Mir ging es bei den Fotos nicht um die üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern viel mehr darum, die typische Atmosphäre einzufangen. Ich habe viele hundert Fotos gemacht und kann hier bei weitem nicht alle zeigen. Vielleicht habe ich euch ja ein klein wenig Appetit auf Kuba gemacht. Mein Mann und ich können jedenfalls nicht ausschließen, zum Wiederholungsbesucher zu werden. Ein bisschen Spanisch kann ich jedenfalls schon: Vamos a la playa! :-)

Los geht es mit einem Foto, das ich aus dem fahrenden Bus gemacht habe und welches in meinen Augen alles widerspiegelt, was ich mit Kuba verbinde. Die wahren Postkartenmotive werde ich bei Gelegenheit mal in einem anderen Blogpost zeigen :)

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