Frau geht spazieren

Was mich nach Niederbayern geführt hat

Ein Neuanfang in Niederbayern

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Dieser Blogpost wird sehr persönlich. Da ich jedoch immer wieder in meinen ganzen Texten hier "fordere", dass Ihr mir vertrauen sollt, mir von Euch erzählen könnt, ein Kennenlernen wichtig ist für die Zusammenarbeit oder eine Buchung für die Hochzeit, dachte ich mir: Es kann ja nicht schaden, wenn ich Euch noch ein bisschen mehr von mir erzähle. Naja, heute ist es nun soweit.

Geboren wurde ich in Meiningen, einem verschlafenen Städtchen in Südthüringen. Meiningen ist vor allem für sein tolles Theater bekannt (Südthüringer Staatstheater) und jeder Meininger ist stolz auf dieses großartige Schauspielhaus mit seiner langen Geschichte. Mit 21 bin ich dann nach Eisenach gezogen. Vielleicht kennt Ihr Eisenach mit seiner beeindruckenden Wartburg oder habt zumindest schon mal davon gehört. Johann Sebastian Bach wurde in Eisenach geboren und Martin Luther ist fest mit der Stadtgeschichte verbunden. Und Eisenach hat witzigerweise schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Beziehung zu Bayern: 1928 wurde die Fahrzeugfabrik Eisenach von der Bayrischen Motoren Werken AG übernommen, bevor sie dann nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht wurde. Erst zu diesem Zeitpunkt wurden aus den in Eisenach gefertigten BMW die EMW-Fahrzeuge (später Wartburg).

Ja, aber wie bin ich nun nach Niederbayern gekommen...?! Habt Ihr schon eine Idee? RICHTIG, die LIEBE hat mich nach Landshut geführt: Im Juni 2012 habe ich auf einem Lehrgang in Schleswig-Holstein meinen jetzigen Herzensmann kennen und später auch lieben gelernt. Eine Zeit lang sind wir jedes Wochenende gependelt. Entweder ist er nach Eisenach gefahren oder ich nach Landshut. Es war eine anstrengende Zeit aber aus verschiedenen persönlichen Gründen war ein Umzug nach Landshut erst jetzt im September 2018 möglich.

Ich muss gestehen: Obwohl ich jahrelang auf den Zeitpunkt des Zusammenlebens hingefiebert habe, ist mir der Abschied von meiner Heimat sehr schwer gefallen. Nein ich habe keine Angst vor dem Zusammenleben und dem Alltag mit meinem Mann oder dass es nicht klappen könnte. Es ist einfach nur der Fakt des Abschiednehmens von meiner bekannten Umgebung, meiner schönen Wohnung, lieb gewonnenen Kollegen und Bekannten, der Familie, von neu gewonnen Freunden und lieben Kunden, von "meinem" schönen grünen Thüringer Wald, in dem ich so gerne spazieren gegangen bin... Natürlich sagt jeder: Denise, du kannst doch jederzeit zu Besuch hinfahren. Das weiß ich natürlich. Es ist niemand gestorben und ich wurde zu diesem Schritt ja auch nicht gezwungen. Aber nur Menschen, die einen solchen großen Schritt einmal hinter sich gebracht haben, wissen, wie sich das tief im Herzen anfühlt und dass man das nicht einfach so weg steckt.

Natürlich sagt man sich beim Abschied: Komm uns besuchen, wir bleiben in Kontakt, komm vorbei, wenn du mal in der Nähe bist! Aber eigentlich weiß jeder, dass das schwierig bis unmöglich wird, 400 km Autobahn und dann noch bei jedem einfach so reinschneien... Das wird nicht funktionieren. Es ist ja schon schwierig, regelmäßige Treffen mit Menschen zu vereinbaren, die um einen herum wohnen. Kennt Ihr das auch? Jeder hat eben sein eigenes Leben, seinen eigenen Rhythmus. Manchmal sind es eben nur Floskeln, die man los wird, um den Abschied ein kleines bisschen erträglicher zu machen.

Und erst jetzt wird mir das erste Mal in meinem Leben so richtig bewusst, was hinter dem Begriff HEIMAT steckt, welche Gefühle man damit verbindet und was es für ein wahnsinniger Verlust für viele Menschen auf der Welt sein muss, wenn sie ihre Heimat - aus welchen Gründen auch immer - verlassen müssen, weil sie keine andere Wahl haben.

Aber ich bin nicht nur traurig. Ich bin auch hoffnungsvoll. Und ich denke, ich darf auch stolz sein auf meinen Mut und die Kraft, die ich für diesen Neuanfang aufbringen konnte.

VERÄNDERUNGEN SIND NICHT IMMER NUR NEGATIV, auch wenn die Veränderung Abschied bedeutet, einen traurig, verletzlich und ängstlich macht und sich unbequem anfühlt. Ich versuche mir in den Momenten, in denen ich noch besonders daran zu knabbern habe, zu sagen, dass Veränderung auch eine WUNDERVOLLE MÖGLICHKEIT ist. Veränderung und Neuanfang sind doch vor allem auch die ultimative Chance zu wachsen, zu lernen und erneut erfolgreich zu sein.

Puh, das war jetzt ganz schön viel und ziemlich starker Tobak. Mich würde interessieren: Habt Ihr ähnliche Erfahrungen in Eurem Leben gemacht? Wie habt Ihr diese Zeit gemeistert? Habt Ihr ein Geheimrezept für mich, wie es leichter wird? Ich freue mich auf Eure Geschichte. Schreibt mir einfach, wenn Ihr Lust habt!

 

Herzlichst

Eure Denise

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